Benchmarking als wettbewerbsorientierte Managementmethode

Benchmarking zählt zu den Instrumenten der Wettbewerbsanalyse und ist im ursprünglichen Sinn als Vergleich von Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen zu verstehen.

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Der Grundgedanke des Benchmarking ist die Nutzung bereits vorhandener Problemlösungen, sozusagen das Lernen vom besten im jeweiligen Kontext. Ein weiterer Aspekt des Benchmarkings ist die systematische und kontinuierliche Messung des eigenen Erfolgs gegenüber der Konkurrenz.

In vielen Unternehmen gilt der Vergleich mit anderen Konzernen bereits seit geraumer Zeit als Standardhilfsmittel, um nach der besten Lösung auf dem Markt zu suchen. Dabei kann das Unternehmen mit „engen“ Konkurrenten oder „fernen“ Konkurrenten verglichen werden. Gerade der Vergleich mit branchenfremden Unternehmen weist unter dem Motto „Überlegenheit statt Gleichheit“ ein besonderes Potential im Rahmen des Benchmarking auf.

Lesedauer 15 Minuten

Inhalt des Benchmarking

Ziel des Benchmarking ist es, mittels festgelegter Untersuchungskriterien, Bestlösungen zu ermitteln. Aus der Untersuchung von Wettbewerben und dem Vergleich mit dem eigenen Unternehmen, lassen sich anschließend Stärken und Schwächen ableiten.

Basiselemente des Benchmarking

Die Basiselemente des Benchmarking können hinsichtlich Ihrer Funktionalität und prozessorientierten Sichtweise abweichen. Daher gilt es, den Gegenstand des Benchmarking, die Vergleichskriterien sowie die Referenzobjekte und Bewertungsmethodik zu bestimmen – diese bilden die Basiselemente des Benchmarks und stehen im direkten Zusammenhang miteinander.

Prozess des Benchmarking

In der Praxis werden unterschiedlichste Benchmarking Vorgehensweisen eingesetzt, welche sich jedoch nur in der Anzahl der durchgeführten Phasen unterscheiden.

Inhalt des Benchmarking

“Das Benchmark ist eine systematische Analyse und Bewertung der eignen Leistung im Vergleich zu den Leistungen der wichtigsten Wettbewerber im Markt, den Entwicklungstrends der betreffenden Branche bzw. der angewandten Technologie sowie den internationalen Bestlösungen bei der Erfüllung bestimmter Funktionen (Unternehmensaufgaben).”

Sabisch & Tintelnot, 1997, S. 12

Ziel des Benchmarking ist es, mittels festgelegter Untersuchungskriterien, Bestlösungen zu ermitteln. Aus der Untersuchung von Wettbewerben und dem Vergleich mit dem eigenen Unternehmen, lassen sich anschließend Stärken und Schwächen ableiten. Der systematische Prozess wird auch als konsequente Orientierung von Unternehmen an Bestlösungen verstanden. Dabei bezieht sich die Methode des Benchmarkings nicht nur auf die Bestleistung der Wettbewerber.

In der Regel beinhaltet es auch die Forderungen, Wünsche und Ideen der Kunden, Leistungen von Zulieferern und anderen Partnern sowie Problemlösungen bei der Erfüllung von Aufgaben (best-in-class).

“Benchmarking ist damit ein wichtiges Instrument für alle Unternehmen, die das Ziel verfolgen, ihre Produkte und Leistungsprozesse systematisch zu verbessern und selbst Bestlösungen auf bestimmten Gebieten zu realisieren. In besonderem Maße gilt dies für Unternehmen, die eine Strategie der Markt-, Qualitäts-, Technologie- oder Kostenführerschaft verfolgen.”

Sabisch & Tintelnot, 1997, S. 12

Dabei geben die nachfolgenden vier Grundfragen nach Sabisch & Tintelnot (1997) Aufschluss über den Inhalt eines Benchmarks.

  • Was soll verglichen bewertete und verbessert werden?
    Frage nach dem Benchmark-Objekt.
  • Mit Hilfe welcher Kriterien werden die Benchmarking-Objekte hinreichend vollständig und genau bewertet?
    Frage nach den Vergleichs- und Bewertungskriterien.
  • Welche Referenzobjekte werden in den Vergleich einbezogen?
    Frage nach den Referenzobjekten bzw. Wettbewerbern die herangezogen werden.
  • Welche Bewertungsmethoden kommen zur Anwendung?
    Frage nach der Methodik zur Bewertung der Datensammlung (Analyse).

Basiselemente des Benchmarking

Die Basiselemente des Benchmarking können hinsichtlich Ihrer Funktionalität und prozessorientierten Sichtweise abweichen. Daher gilt es, den Gegenstand des Benchmarking, die Vergleichskriterien sowie die Referenzobjekte und Bewertungsmethodik zu bestimmen – diese bilden die Basiselemente des Benchmarks und stehen im direkten Zusammenhang miteinander. Nachfolgende werden die Basiselemente nach Sabisch & Tintelnot (1997) genauer betrachtet.

Gegenstand des Benchmarking

Der Gegenstand des Benchmarking muss vor Beginn der Entwicklung genau bestimmt werden. Dabei kann es sich um Produkte, Prozesse, Organisationsstrukturen oder Strategien des Unternehmens handeln. Bei dem auszuwählenden Gegenstand handelt es sich um das Untersuchungsobjekt, welches durch Veränderung Wettbewerbsvorteile erzeugen kann. In der nachfolgenden Tabelle 1 können die Arten des Benchmarking nach Sabisch & Tintelnot (1997) differenziert werden.

Arten des BenchmarkingGegenstand (Objekt) des BenchmarkingBemerkung
Produkt-BenchmarkingProdukte
– Hardware
– Software
– Dienstleistungen
Komplexität der Bewertung hängt von Produktstruktur, Systemcharakter, Produkttechnologie und anderen Faktoren ab.
Prozess-BenchmarkingProzesse
– Geschäftsprozesse
– Technologische Prozesse
– Dienstleistungsprozesse
– Organisationsprozesse
– Arbeitsprozesse
Komplexität der Bewertung hängt unter anderem von Prozessart, -struktur und
-technologie ab.
Untersuchung von Abläufen nach Zeitdauer, Kosten- und Kapazitätsaufwand, Vernetzung von Teilprozessen.
Organisations-BenchmarkingOrganisationsstrukturen
und -modelle

– Projektstrukturen
Insbesondere für Ablauforganisation.
Strategie-BenchmarkingStrategien des UnternehmersVergleichbarkeit der strategischen Ziele beeinflusst Art und Umfang der Wertung.
Tabelle 1: Arten des Benchmarking nach dessen Gegenstand (Objekt)

Vergleichs- und Bewertungskriterien

Die zu verwendeten Vergleichs- und Bewertungskriterien bei einem Benchmarking sind zum einen abhängig von dem zu untersuchenden Gegenstand und zum anderen von der Komplexität der Analyse. Die Kriterien können dabei sowohl monetäre als auch nichtmonetäre Größen darstellen.

Die Kennzahlen lassen sich nach Sabisch & Tintelnot, (1997) anhand mehrerer Gruppen unterscheiden. Einige der Gruppierungen werden vom Verfasser nachfolgend herangezogen und anhand von Beispielen erläutert.

  • Kennzahlen des Kundennutzens und der Qualität.
    Diese spielen insbesondere beim Produkt-Benchmarking eine herausragende Rolle. Dazu gehören unter anderem Leistungskennzahlen und Kennzahlen der Standardisierung.
  • Kennzahlen des Ressourcenaufwands.
    Diese können bspw. Material- oder Energieverbrauch oder der Einsatz von Personen sein.
  • Kennzahlen der Wirtschaftlichkeit – Kosten, Preise und Umsatz.
    Kennzahlen können unter anderem Prozesskosten, Herstellungskosten, Erlöse, Rentabilität, Amortisationsdauer, Kapitalwerte oder Umsatzzahlen sein.
  • Kennzahlen des Kundennutzens und der Qualität.
    Diese spielen insbesondere beim Produkt-Benchmarking eine herausragende Rolle. Dazu gehören unter anderem Leistungskennzahlen und Kennzahlen der Standardisierung.
  • Kennzahlen des Ressourcenaufwands.
    Diese können bspw. Material- oder Energieverbrauch oder der Einsatz von Personen sein.
  • Kennzahlen der Wirtschaftlichkeit – Kosten, Preise und Umsatz.
    Kennzahlen können unter anderem Prozesskosten, Herstellungskosten, Erlöse, Rentabilität, Amortisationsdauer, Kapitalwerte oder Umsatzzahlen sein.

Betrachtet man den Auszug der dargestellten Gruppierungen von Vergleichs- und Bewertungskriterien sowie deren Beispiele wird deutlich, welche Breite Benchmarking-Studien aufweisen können. Um den damit verbundenen Aufwand einschränken zu können, ist eine Auswahl der für die Analyse und für die Veränderung wichtigsten Kennzahlen notwendig.

Referenzobjekte

Als weiteres, Basiselement ist das in den Vergleich einbezogenen Referenzobjekt zu sehen. Dabei bestimmt die Auswahl der Referenzobjekte maßgeblich das Niveau und das Ergebnis der zu ermittelnden Bestlösung. Dabei lassen sich die in der Tabelle 2 dargestellten Referenzklassen des Benchmarking unterscheiden.

ReferenzklasseReferenzobjekte ZielstellungZielstellungBemerkung
Internes BenchmarkingFilialen, Geschäftsbereiche des eigenen UnternehmensLeistungsverbesserung im Unternehmen– relativ günstige Bedingungen des Vergleichs

– begrenztes Verbesserungspotential
Externes BenchmarkingWettbewerberErringung von Wettbewerbsvorteilen– enge Verbindung zur Wettbewerbs-analyse
Branchenbezogenes BenchmarkingAndere Unternehmen der BrancheFührerschaft in der Branche– ständige Analyse der Branchen-entwicklung (Markt, Technologie ..)
Branchenübergreifendes BenchmarkingUnternehmen mit Bestlösungen für eine bestimmte Funktionserfüllung (best in class)Erringung von Wettbewerbs-vorteilen

Erzielen von Bestlösungen
– Ermittlung von Analogien, spezifische Anpassung für
Unternehmen

– umfangreichstes Verbesserungspotential
Referenzklassen des Benchmarking

“Die höchste Entwicklungsstufe mit dem größten Verbesserungspotential verkörpert das branchenübergreifende Benchmarking, mit dessen Hilfe Bestlösungen bei der Realisierung ausgewählter Funktionen ermittelt werden. Es ist vor allem Voraussetzung dafür, mit dem Unternehmen selbst die Position eines “Best in Class“ zu erlangen”

Sabisch & Tintelnot, 1997, S. 25 f.

Bewertungsmethode

Für ein Benchmarking ist die Anwendung spezifischer Bewertungsmethoden erforderlich. Dabei ist die Bewertung im Allgemeinen die Beurteilung des Grades der Zielerfüllung für ein bestimmtes Bewertungsobjekt. Dabei geht es um die bestmögliche Erfüllung unternehmensrelevanter wirtschaftlicher, technischer, ökologischer und sozialer Ziele. Eine Bewertung im Sinne des Benchmarking beinhaltet die Gegenüberstellung des eigenen Produktes mit geeigneten Referenzobjekten. Dabei ist es für die Bewertung erforderlich, dass der exakte Istzustand für das betreffende Objekt ermittelt wird und eine anspruchsvolle und realistische Zielsetzung festgelegt wird, die es im Unternehmen zu erreichen gilt. Daraus resultiert ein Soll- und Istzustand auf Grundlage eines eindeutigen Bewertungsmaßstabs mit Hilfe geeigneter Bewertungsmethoden.

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Benchmarking erfordert die Anwendung quantitativer wie auch qualitativer Bewertungskriterien. Dabei können quantitative Größen eindeutig gemessen und in Zahlen ausgedrückt werden. Qualitative Größen sind hingegen nicht objektiv messbar. Sie lassen sich jedoch durch Hilfsgrößen wie z.B. die Kundenzufriedenheit durch den Anteil der Wiederkäufer oder über eine subjektive Einschätzung von Einzelpersonen sowie einer repräsentativen Gruppe von Personen ermitteln. Eine Verknüpfung zwischen den Größen der Bewertungskriterien kann mittels mehrdimensionaler Bewertungsverfahren erfolgen.

“Zentraler methodischer Bestandteil der Bewertung ist der Vergleich von Objekten mit unterschiedlichen Leistungsausprägungen. Um jedoch vergleichen zu können, müssen bestimmte methodische Bedingungen bezüglich der Vergleichbarkeit der Objekte erfüllt sein”

Sabisch & Tintelnot, 1997, S. 25 f.

Prozess des Benchmarking

In der Praxis werden unterschiedlichste Benchmarking Vorgehensweisen eingesetzt, welche sich jedoch nur in der Anzahl der durchgeführten Phasen unterscheiden. Die Vergangenheit zeigt, dass erfolgreiche Benchmarking Projekte in vier generische Phasen (Planung, Datensammlung, Analyse und Umsetzung) eingeteilt werden können, welche als Grundgerüst anzusehen sind. Eine tiefere Betrachtung des Benchmarking zeigt, dass die vier generischen Phasen in sieben spezifische Phasen unterteilt werden können. Eine detaillierte Beschreibung des fortlaufenden Prozesses kann aus der nachfolgenden Abbildung entnommen werden.

Generische und spezifische Phasen des Benchmarking-Prozesses
Generische und spezifische Phasen des Benchmarking-Prozesses

Quellenangabe: Sabisch, H., & Tintelnot, C. (1997). Integriertes Benchmarking für Produkte und Produktentwicklungsprozesse. Berlin Heidelberg: Springer

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